Farmarbeit auf Pender Island

Noch in Deutschland hatte ich mich auf der WWOOF-Plattform (World Wide Opportunities on Organic Farms, http://www.wwoof.ca) angemeldet und nach einigen Farmen Ausschau gehalten. Dabei kann man auf Farmen aushelfen und bekommt dafür kostenloses Essen und eine Unterkunft. Ich musste gar nicht lange suchen, da bekam ich schon eine Nachricht von Martha, die mich fragte auf ihrer Farm in Pender Island auszuhelfen und schnell von Victoria aus zu erreichen ist.

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Ankunft auf Pender Island

Pender Island ist in zwei Inseln unterteilt, die über eine kleine Holzbrücke miteinander verbunden sind. Die Inish Eile Farm von Martha und Mike liegt auf der nördlichen Insel direkt am Gulf Island National Park angrenzend. Martha ist eine Soziologie-Professorin an der University of Victoria mit einigen Schwerpunkten z.B. der Farmwirtschaft und Ernährungsgerechtigkeit. Daher hat sie immer eine Menge interessanter Dinge zu berichten. Mike stammt aus den Yukon-Territories im hohen Norden Kanadas und kann so gut wie alles. So hat er u.a. schon Containerhaus-Konzepte für die Inuit entwickelt und ist im Yukon Feuerlöschflugzeuge geflogen.

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Die Inish Eile Farm auf Pender Island.

Auf der Farm werden die seltenen Gulf Island Cotswold Schafe gehalten, die auf der kanadischen Liste gefährdeter Nutztierrassen stehen, sowie Moschusenten (die Wildform der domestizierten Warzenente).

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Cotwoldschaf und Moschusente.

Nun ist bereits wieder eine Woche vergangen und ich konnte eine Menge über das dortige Farmleben lernen. Es gibt eine Menge zu tun: morgens helfe ich z.B. mit beim Schafe füttern und Wasser geben – oder sie auf neue Weidegründe begleiten, die wir dann provisorisch abzäunen. Da es die Farm noch nicht allzu lange gibt, müssen noch eine Reihe fester Zäune angelegt werden. So galt es in den letzten Tagen, eine Vielzahl neuer Zäune zu errichten.

Ein besonderer Moment war für mich die Schafschärung, wo ich live dabei sein konnte. Dafür kam extra ein Profi vorbei, der sogut wie alle Schafe auf Vancouver Island und den umliegenden kleinen Inseln schärt. Wirklich erstaunlich, welches Geschick man haben muss, das Schaf mit einem Arm festzuhalten und es möglichst ohne Verletzungen zu schären.

Dafür wird eine besondere Technik angewendet: Das Schaf wird auf das „Hinterteil“ gesetzt und mit einer Hebeltechnik ein Vorderbein fixiert. Das hört sich etwas rabiat an, aber die meisten Schafe machten einen sehr entspannten Eindruck.

Hatte man das Aussehen der Schafe von vorher noch im Kopf, sehen sie danach sehr putzig aus, ohne ihre lange Wolle.

In der Freizeit bin ich meist unterwegs die Insel zu erkunden, wo es an jeder Ecke etwas zu sehen gibt, Nur 15 Minuten von der Farm entfernt, ist ein kleiner Hafen – das sogenannte Hope Bay mit herrlichem Strand. Am zweiten Tag konnte ich hier Weißkopfseeadler beim Fischen zuschauen.

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Hope Bay.

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Weißkopfseeadler lauert auf seine Beute.

Auf der ca 34 km² großen Doppelinsel gibt es ein besonderes System zur Personenbeförderung, da es kein öffentliches Nahverkehrsnetz gibt. Dafür wurde hier ein „Carstopp“ Programm auf Pender Island ins Leben gerufen. Überall auf der Insel gibt es entlang der Hauptverkehrsrouten diese Stopppunkte, wo man sozusagen per Anhalter von vorbeifahrenden Autos mitgenommen werden kann.

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Carstop am Gulf Island National Park, Mount Norman.

Das Hitchhiking-Programm musste ich am zweiten Tag natürlich gleich ausprobieren, hatte ich doch den Vormittag frei bekommen. Gleich vor der Farm wurde ich von Mitchell Richtung Mount Norman auf der Südinsel mitgenommen, dem höchsten Berg mit 244 m. Das hört sich zwar nicht gerade hoch an, aber man hat einen fantastisch Ausblick auf die Umgebung.

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Aussicht vom Mount Norman. Auch hier kann man bis auf die Olympic Mountain Range der USA den Blick schweifen lassen.

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In den letzten Tagen war ich oft an den Küstengegenden, wo es viele Zugangspunkte zu den Stränden gibt. Diese können über eigens dafür angelegte Wanderwege erreicht werden, die u.a. durch alte Lebensbaum-/Douglasienbestände führen:

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Ausgangspunkt zu den Stränden.

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Farnenmeer (westamerikanischer Schwertfarn) im Laubwald

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Moosbewachsener Untergrund schafft eine nahezu märchenhafte Umgebung.

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Die Wanderung wird belohnt mit menschenleeren Traumstränden. Links zu sehen: der amerikanische Erdbeerbaum (Arbutus menziesii).

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Viele Krabben verstecken sich unter den Steinen an den Stränden.

Gestern stand eine kurzfristige Heuernte an, da für die nächsten Tage Regen vorhergesagt war. Die Heuernte fand auf einer kleinen Farm auf South Pender Island statt. Jodie, ursprünglich in der Nähe von Auckland – Neuseeland stammend, holte mich dafür von der Inish Eile Farm ab. Obwohl auf den Pender Islands nur ca. 2300 Menschen leben, ist South Pender Island noch ruhiger mit inzwischen 210 Einwohnern. Das Heu wurde mittels altem Schlepper und Ballenpresse von der Wiese geholt und auf Pick-up-Trucks geladen. Doch die Ballenpresse musste erst noch repariert werden, da die Stricke nicht wirklich halten wollten.

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Pressen der Heuballen.

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Auf dem Pick-up-Truck aufsitzend ging es zum Entladen in eine kleine Waldhütte.

Zurück auf der Inish Eile Farm gab es noch eine besondere Überraschung: Moschusentennachwuchs!

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Nachwuchs bei den Moschusenten!

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Whale Watching in Victoria

Whale Watching stand ganz oben auf der Liste für Vancouver Island und wer weiß, wann man wieder so nah in ein Wal-Hotspot-Gebiet kommt. Also nicht lange überlegt und einen Bootstrip mit ‚EagleWingTours Whale and Wildlife Watching‘ gebucht.

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Unser „Beobachtungsboot“ mit 1250 PS, aber die Motoren sollen wohl extra leise sein (für den Walschutz).

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Nach kurzer Einweisung…

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… ging es ab ins Boot.

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Und los auf den Pazifik!

Ich muss schon sagen: Ich habe noch nie in einem solchen Boot gesessen, aber die 1250 PS bekommt man schon zu spüren, was für eine Beschleunigung :D!

Nach ca. 15 min Fahrtzeit waren wir schon weit vom Hafen entfernt, die Berge der ‚Olympic Mountain Range‘ der USA kamen augenscheinlich immer näher.

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Blick auf die Olympic Mountains. Die USA sind nur einen Katzensprung entfernt.

Und auf einmal waren SIE da, eine ganze Orcaschule tauchte vor unseren Augen auf. Für die Kapitänin ganz unerwartet, kamen sie direkt auf uns zu! So etwas schönes habe ich auf dem Wasser wirklich noch nie erlebt.

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Ganz nah am Boot!

Einige Wale (biologisch gesehen, gehören sie eigentlich zur Familie der Delfine 😉 ) schwammen direkt unter dem Boot hindurch. Mein Glück – sowas zu sehen, konnte ich noch gar nicht fassen. Der Tourguide sagte dann auch, dass die Orcas noch nie so nah am Boot waren. Fantastisch!

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Auf Wiedersehen!

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Die Walbeobachtungsgruppe – überwältigt von diesem einzigartigen Anblick.

Als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, ging es noch 3 weitere Stunden über das Meer. Unterwegs haben wir noch Weißstreifendelphine gesehen, die leider zu weit weg für mein Kameraobjektiv waren. Kurzzeitig warteten wir noch in der Nähe der US-Grenze, die wir auch kurzzeitig überquerten, um nach Buckelwalen Ausschau zu halten. Leider ließen diese sich heute nicht blicken, aber die Orcas toppten eh alles :D.

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Die Orcas sahen wir von Zeit zu Zeit wieder

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Weiteres Highlight: Weisskopfseeadler! Hier ein Jungvogel, der noch sehr „fleckiges“ Gefieder hat und der markante weisse Kopf fehlt.

Ganz in der Nähe des Felsens, wo der Jungadler saß, konnten wir auch einen pazifischen Seeotter beobachten, der gemütlich in den Algen umherschwomm.

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Seelöwen liegen gemütlich vor der Meeresforschungsstation.

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Eine Reihe anderer Walbeobachtungsschiffe waren unterwegs.

Alles in allem ein gelungener wildlife-reicher Tag!

Die erste Woche

Nun ist schon eine Woche in Kanada wie im Fluge vergangen mit einer Menge interessanter Erlebnisse.
Am 9. Mai um 1330 ging es los von Frankfurt über den großen Teich nach Vancouver.

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Angezeigte Route im Flugzeug

Die Route ging über Grönland und den nordwestlichen Teil Kanadas der Hudson Bay und Nunavut – leider zu bewölkt, um einen Blick von oben auf diese Region zu bekommen.

Jetzt hieß es erstmal auf das Gepäck warten und dann ab zur Einwanderungsbehörde! Dort warteten bereits eine Menge Leute auf ihre Einreiseerlaubnis und nach ca. 2 h Wartezeit hielt ich auch mein 1-Jahr-Visum in den Händen. Die kanadischen Behörden sind wirlich so entspannt, wie man es vom Hören-Sagen kennt, nicht auszudenken, wie es da bei den US-Behörden abläuft ;-).

Vom Vancouver Flughafen ging es dann mit dem Sky-Train in die Innenstadt. Der Sky-Train ist ein vollautomatisch fahrender Zug, der als S- und U-Bahn ganz Vancouver verbindet.

Ist schon ein bisschen komisch eine Bahn vorfahren zu sehen, wo keine Fahrerkabine vorhanden ist. Dafür wird man mit einem fantastischem Panoramafenster belohnt. Leider war meine Kamera noch tief in der Tasche verstaut und mein Handy-Akku leer…

Endstation Vancouver City Centre.

Von dort wurde das Samesun Hostel schnell gefunden und eingecheckt. Nachdem alle Sachen im neuen Zimmer verstaut waren, ging es bereits wieder los die nähere Umgebung zu erkunden. Das Hostel hat dafür eine optimale Lage mit einer sehr zentralen Lage in der Downtown von Vancouver.

Bis zum Pazifik sind es nur 15 Minuten Gehweg. Dort kam ich an der berühmten Steam Clock im modernen Viertel Gastown vorbei, die zur vollen Stunde eine Melodie im „Dampflockstil“ ertönen lässt. Angetrieben wird die Pfeife eines alten Schaufelraddampfers über Dampf aus dem Heizungssystem. Die Vancouver City Library konnte ich auf dem Rückweg zum Hostel bestaunen.

20.00 Uhr Kanadischer Zeit ging es dann auch schon ins Bett und Jetlag sei Dank war ich bereits 2 Uhr morgens wieder wach. Im leichten Dämmerungsschlaf rettete ich mich bis zum Beginn des Frühstücksbuffet ab 07.00 Uhr.

Nach dem Frühstück stand der erste Behördengang auf dem Programm – eine kanadische Sozialversicherungsnummer zu bekommen. Die braucht man, um in Kanada arbeiten zu können. Da ich durch den frühen Start pünktlich zur Öffnung der Behörde gehen konnte und auch noch keine wartenden Personen anzutreffen waren, erhielt ich die SIN-Nummer bereits nach 10 Minuten.

Nun blieb viel Zeit die Natur in der Stadt aufzusuchen. Die findet man in Vancouver recht schnell im Stanley Park, der mit 404 Hektar genau so groß ist, wie die Innenstadt.

Gleich zu Beginn des Stanley Parks sind Totempfähle der einst hier lebenden Indianerstämme (z.B. Haida) mit herrlicher Schnitzkunst zu bestaunen.

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Weiter geht es in einen schönen Wald aus Oregon-Ahorn, Douglasien, Riesen-Lebensbaum und westlicher Hemlocktanne, die zum Teil über 50 m hoch sind! Der Wald wurde seit dem Jahr 1860 nicht mehr planmäßig bewirtschaftet und so hat man schon das Gefühl in einem echten kanadischem Urwald zu sein.

Ansonsten bietet der Park auch einen grandiosen Ausblick, auf Vancouver.

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Weiter ging es nach Chinatown, wo ich den Dr. Sun Yat-Sen Park besuchte – der erste klassische chinesische Garten, der außerhalb von China gebaut wurde. Alle Materialen, die verbaut worden sind, wurden dafür extra aus China geliefert und von chinesischen Gartenmeistern errichtet.

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Eingangstor Chinatown

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Dr. Sun Yat-Sen

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Der dritte Tag in Vancouver startete mit viel Regen. Heute hatte ich mit den Hostelleuten vor, den Quarry Rock Hike in Nord-Vancouver zu begehen. Es regnete aus allen Wolken, aber nur so kann der Regenwald gedeihen, den wir über Felsweg und Treppen entlang wanderten. Ein stattlicher Wald, der sich zumeist aus riesigen Douglasien-/Hemlocktannenbeständen zusammensetzt.

Zum Aufwärmen ging es mit dem Bus in die nahe gelegene Brauerei und dann zurück ins Hostel.

In den weiteren drei Tagen wurde Vancouver weiter erkundet. Hier einige Eindrücke:

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Eichhörnchensnack aus der Mülltonne

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Kreuzfahrtschiff am Canada Place, Hafen Vancouver

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So ein Reisemobil bräuchte man 😛

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Hier wird man sicher über den Zebrastreifen gebracht!

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Platz besetzt.

Tag 8 – University of British Columbia

Hier ging es zunächst ins Anthropologie-Museum mit einer herausragenden Sammlung an Artefakten der kanadischen Indianerkultur und Ureinwohner aus aller Welt.

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Museum of Anthropology, UBC Vancouver

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reich verzierte Dachtragebalken aus Thujaholz

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Umfangreiche Sammlung aller Art von Masken, die zu speziellen Festlichkeiten getragen wurden.

Fünfeinhalb Stunden im Museum reichten bei weitem nicht aus um alle Exponate anzuschauen. Es werden hier weit über 40.000 Einzelstücke gezeigt!

in den Ausstellungsräumen gibt es unzählige Schubladen, wo man weitere Skulpturen, Bilder, Werkzeuge etc. betrachten kann, wie die unteren Bilder zeigen.

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moderne indianische Kunst.

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In den Außenanlagen wurden die typischen kanadischen Indianerhäuser („Longhouses“) nachgebaut mit restaurierten originalen Hausstehlen

Dieser Besuch hat sich definitiv gelohnt!

Das Museum befindet sich direkt auf dem Campus der Universität. Dieser ist so groß, das er gar als eigener Stadteil gilt und ein eigenes Krankenhaus und Kraftwerk für die Universität bereithält.

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Als Forstwissenschaftler musste ich natürlich das Forest Science Center besuchen!

Am nächsten Tag ging es dann mit der Fähre von Tsawwassen Fährhafen nach Victoria auf Vancouver Island entlang vieler kleiner schöner Inseln.

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Abfahrt von Tsawwassen Fährhafen.

Vorbei an kanadischen Blockhäusern…

Ankunft Swartz Bay, Vancouver Island. Dann ging es mit dem Bus nach Victoria, der Hauptstadt British Columbias.

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Swartz Bay, Vancouver Island.

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Regierungsgebäude der Hauptstadt British Columbias, Victoria.