Vier Tage in Whistler, Olympiastandort der Winterspiele 2010

Als Zwischenstopp in Richtung Rocky Mountains hatte ich mir das bekannte Skiresort Whistler gesetzt, dass sich an den südlichen Ausläufern des Küstengebirges befindet, ca. 2 h nördlich von Vancouver.

 

Dort hatte ich ein Zimmer im Whistler Mountain Lodge Hostel (UBC Lodge) gebucht, welche in den 60er Jahren von Studenten der University of British Columbia errichtet und lange als Studentenhaus diente, ehe es 2014 privatisiert wurde. Eines der schönsten Hostels, wo ich bis jetzt gewesen bin und sehr gemütlich eingerichtet – genau wie man sich eine Skihütte vorstellt.

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UBC-Lodge, Whistler.

Dann ging es erstmal zum Essen einkaufen nach Creekside Village, einem Vorort von Whistler. Hier fahren die Skilifte und Gondeln zum Blackcomb Mountain, einem der beliebtesten Skiabfahrtshänge. Nicht weit von den Skiliften konnte ich einen Schwarzbär mit 2 Jungen ausmachen, die es sich direkt neben dem Skilift gemütlich machten. Ich blieb auf sicherer Entfernung von ca. 200 m und wanderte langsam weiter, da man einen Bär, besonders mit Jungen nicht beunruhigen sollte. Eine Traube Menschen versammelte sich wenig später vor den Restaurants, um die Bären zu sehen.

Am ersten Tag habe ich mir ein Skilift-Ticket geholt, um auf die Spitze der zwei Berge des Whistler und Blackcomb-Mountains zu gelangen. Da noch nicht alle Gondeln in Betrieb waren, ging es nur bis zur Hälfte. Doch ich war froh, dass ich die andere Hälfte zum Little Whistler Peak auf 2115 m erwandern konnte. Es lagen noch bis zu knapp 3 m Schnee zu der Zeit, aber die Wanderwege waren halbwegs geräumt.

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Die Hälfte des Weges ist geschafft.

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Aussicht vom Little Whislter Peak.

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Die Schneewände waren teilweise über 5 m hoch.

 

Unterwegs gab es auch wieder einiges an Flora und Fauna zu bestaunen:

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Ein Murmeltier sonnt sich.

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Murmeltier hält Wache.

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Gelbes Fichten-Streifenhörnchen (Chipmunk).

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Die Felsentanne (Abies lasiocarpa) kommt in den höheren Lagen des Kaskaden-Gebirges gehäuft vor.

Mit der Peak-to-Peak-Gondel, der längsten und höchsten Seilgondel der Welt, ging es dann zum Blackcomb Mountain. Die Gondel schwebt am höchsten Punkt 436 m über dem Boden und und überspannt eine Gesamtlänge von 2024 m zwischen den 2 Türmen.

 

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Da man mit einem Gondelticket soviel fahren kann wie man möchte, fuhr ich mit der Peak-to-Peak-Gondel bestimmt 4 mal hin und her. Die Aussicht ist einfach herrlich! Abwärts ging es dann von der anderen Seite mit den Skiliften ohne Dach zurück nach Whistler. Unterwegs konnte ich wieder einen Schwarzbären beobachten.

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Schwarzbär unterhalb der Gondel.

Am nächsten Tag sollte es den ganzen Tag regnen, so dass ich eine Führung im Squamish/Lillwat Indianerkulturmuseum gebucht habe. Die Mitarbeiter sind alle Angehörige der Indianderstämme Lillwat oder Squamish (Ureinwohner der Vancouver/Whistler-Region), so dass die Teilnehmer zum Beginn der Führung mit einem Regenlied begrüßt wurden. Das Kulturmuseum soll nicht nur Besuchern die Geschichte der hier ansässigen Stämme näher bringen, sondern auch als Lernort für die Indianer dienen. Diese hatten ihr Wissen stets mündlich weitergegeben und leider gab es auch in Kanada ein Umerziehungsprogramm, sodass eine Großteil des alten Wissens verloren gegangen ist. Die Führung war sehr interessant und es wurde ein Großteil der Stammesgeschichte in der Region erklärt. Zum Schluss konnte ich die Herstellung von Garn aus Thuja-Rinde ausprobieren.

 

In den nächsten Tagen wanderte ich viel in der Region umher, unter anderem im Emerald-Forest, Lost- und Alta-Lake. Einige Eindrücke der herrlichen Wanderwege:

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Mountainbike-Strecke.

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Amerikanischer Stinktierkohl (Lysichiton americanus), eine große Sumpfstaude, die auch in Deutschland als Neophyt vorkommt.

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Kanadischer Hartriegel, Cornus canadensis.

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Goodbye Pender Island!

Sonntag, der 11. Juni war der letzte Tag auf der Farm. Viel zu schnell sind die 3 Wochen auf der Farm vergangen. Dort hatte ich mich schon so sehr an die Schafe und Enten gewöhnt, dass ich bereits angefangen habe, diese vom Aussehen her mit ihrem Namen zu erkennen: Blacky, Saskatchewan, Fortyfor oder Melon sind nur einige Namen der vielen Cotswold-Schafe.

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„Blacky“, ein allseits entspannter Schafsbock.

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Eine von Saskatchewan’s niedlichen Lämmern.

Wir hatten einige Mühe, die Zäune für die Schafe rechtzeitig fertig zu stellen. So mussten wir auch einige „Nachtschichten“ einlegen, um die ausgebrochenen Schafe einzufangen, die versuchten auf die frischen Wiesen zu gelangen, wo sie noch nicht hin sollten. Aber wen kann man es verübeln, wenn man hungrig ist ;-). Da die Grillabende auf der Inish Eile Farm meist bis Mitternacht gingen, war das auch kein Problem!

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Schafe zwischen den noch nicht ganz fertigen Zaunsegmenten.

Bei den Enten hatte sich weiterer Nachwuchs eingestellt. Wir hatten zwischenzeitlich fast 60 Küken!

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Mike der „Entenflüsterer“.

Da die Enten umherziehen bzw. fliegen können, wohin sie wollen, hat auch der Weißkopfseeadler ein Auge auf sie geworfen. Mike versucht sie daher so gut es geht vor ihm zu schützen, aber rund um die Uhr können sie nicht überwacht werden. 5 Enten wurden innerhalb von einer Woche vom Adler erbeutet. Zum ersten Mal konnte ich einen Weißkopfseeadler dabei beobachten.

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Die Moschusenten finden sich häufig zu Gruppen zusammen, die gemeinsam nach Nahrung suchen.

In meiner Freizeit habe ich die Insel weiter erkundet und nahezu einmal umrundet. Die Südinsel hat es mir besonders angetan, wo es viele einsame Wälder und Strände gibt. Sogar an einem Samstag bei herrlichstem Wetter, wo eigentlich viele Leute unterwegs sein müssten, war ich der einzigste auf den Wanderwegen des Nationalparks. Dort konnte ich viele Truthahngeier auf ihren Kreiselflügen und einen Streifenkauz um das Seegebiet Greenburn beobachten.

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Der Greeburn-Lake im Nationalpark Southern Gulf Islands auf der Südinsel von Pender.

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Streifenkauz am Wanderweg.

Auf meinen „Streifzügen“ bin ich bis zum südlichsten Punkt der Insel gewandert. Hier sind es nur noch 2 km bis zur US-Grenze. Einige Eindrücke der herrlichen Strände:

Ein weiteres Highlight war die Kayaktour auf dem Pazifik.

Dort habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, um für ca. 4 Stunden die Küste der Nord-Pender-Island zu erkunden. Unterwegs trafen wir Seehunde, Robben und viele Seemöwen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Dogmermaid Eco Excursions, die mir ein Rabattangebot geschenkt haben :)!

Das Wetter lud an diesem Tag förmlich zum Baden ein und einmal muss man wenigstens im Pazifik baden gegangen sein, wenn man schon mal da ist. Lange hielt es mich aber nicht im Wasser, wirklich schweinekalt, aber Abhärtung tut gut ;).

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Badestrand mit Aussicht zum Otter Bay Hafen.

 

An einem Abend fuhr ich mit Mike dann zum Disc Golf Kurs von Pender Island in der Nähe des Magic Lake, wo man mit Frisbeescheiben Golf spielt.

Mit dem Frisbee die Ziele mit so wenig Würfen wie möglich zu treffen, ist einfacher gesagt als getan – der Spielplatz inmitten von großen Thuja-/ Hemlock- und Douglasien ist traumhaft – durch die vielen Bäume gehen viele meiner Würfe aber auch genau dorthin :D.

Abends gab es dann noch ein Abschiedsgrillen, da am nächsten Morgen in aller Frühe schon die Fähre Richtung Vancouver wartete. Dafür wurden extra Lammsteaks und Spareribs mit verschiedenen Salaten zubereitet. Ich musste zusehen, dass ich nicht ins Bett rollen musste, so lecker war das Essen.

Ich kann Martha und Mike gar nicht genug danken für die tolle Arbeit, die vielen Erlebnisse auf der Insel und interessanten Unterhaltungen über das Farmleben in Kanada, sowie aufschlussreicher sozio-ökologischer Themen. Ich habe den größten Respekt vor den beiden, die so gut wie 24/7 arbeiten und dazu hat Martha noch einen Job als Professorin. Die Farmarbeit hat es mir wirklich angetan, ein tolles Gefühl, wenn man weiß, wo sein Essen herkommt. Ich hoffe diese Art von kleinen extensiv wirtschaftenden Bauerngemeinschaften bekommt in Zukunft die Anerkennung und Förderung, die sie verdient. Das zunehmende Konglomerat von Großbetrieben hat seit langem ein Ausmaß erreicht, welche rücksichtslos die Natur ausbeutet.

Schön war es auf Pender Island, so schön, dass ich bestimmt mal wieder dorthin gehen werde!