Besuch beim Förster in Barriere´, British Columbia

Nachdem ich vier erlebnisreiche Tage in Whistler verbracht habe, ging es weiter ins Landesinnere von British Columbia nach Kamloops. In der Nähe von Kamloops erwarteten mich Susan und Brian, die mich über die WOOFing-Seite kontaktiert hatten. Nach einer 9-stündigen Busfahrt von Whistler aus, kam ich pünktlich um 1900 am Bahnhof an, wo mich Susan bereits erwartete. Susan ist gelernte Sattlerin und seit 10 Jahren in der Umweltbildung tätig mit den Schwerpunkten Waldökologie und Forstwirtschaft. Brian blickt auf eine knapp 40-jährige Försterkarriere zurück und war zunächst für die kanadische Forstbehörde tätig, bis er sein eigenes Forstplanungsunternehmen gründete. Eine weitere Stunde Autofahrt und wir waren an meinem neuen Arbeitsort mitten im Wald – inklusive einem tollen Blick auf die umliegenden Berge.

 

Rund um das Anwesen haben Susan und Brian zahlreiche Wanderwege und Cross-Country-Ski-Wege angelegt. Der Wald wurde hier vor ca. 20 Jahren mit rund 20 ha kahlgeschlagen, so dass Brian sehr darauf bedacht war, einen möglichst naturnahen Wald entstehen zu lassen, der sich in diesen Breiten vor allem aus Thuja plicata (Lebensbaum), Pseudotsuga menziesii (Douglasie, Inlandsform), Tsuga heterophylla (Westliche Hemlockstanne) zusammensetzt. Eine weitere Nadelbaumart, die man häufig in großen Anpflanzungen sieht, ist die Murray-Kiefer (Pinus contorta).  Diese Kiefernart hat hier ein großes Problem – namens Ponderosakäfer (mountain pine beetle, Dendroctonus ponderosae), der sich in den Monokulturen massenhaft vermehren konnte. Aufgrund des großflächigen Anbaus ohne Mischbestände, entstanden riesige Kalamitätsflächen, die ich bereits auf der Busfahrt beoachten konnte. Aber Schaden ist natürlich relativ und wird nur anthropogen bemessen – in der Natur gibt es keine Schäden, alles hat seinen Zweck. Auf den Flächen, die einer Streichholzlandschaft ähneln, tummelt sich bereits wieder ein gut gemischter Wald. Aber der Anbau von Monokulturen, d.h. Waldbeständen mit nur einer Baumart, hat auch andere Nachteile, die mir Brian am nächsten Tag vor Augen führte:

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Waldbrand – ein natürlicher Prozess in Kanadas Wäldern.

2003 war für British Columbia das Waldbrandjahr mit den verheerensten Bränden, die es in der Geschichte bis dato gegeben hat. Knapp 265.000 ha Wald fielen den Bränden zum Opfer, ausgelöst von einer unachtsam weggeworfenen Zigarette. Mehr als 10.000 Feuerwehrleute aus der ganzen Provinz waren im Einsatz. Die Brände konnten sich hier besonders schnell in den Kiefernreinbeständen ausbreiten, die einen optimalen Nährboden mit viel trockenem und harzreichen Brandmaterial lieferten. Da die Bestände auch entsprechend groß angelegt waren, summierte sich das Potential entsprechend.
Noch knapp 15 Jahre danach, kann man – wie auf dem obigen Foto zu sehen – immer noch große kahle Hangflächen sehen. Die Walderneuerung schreitet nur langsam voran, da durch die immense Feuersbrunst auch Feuerangepasste Baumarten dem Brand zum Opfer fielen. Dadurch fehlen die Mutterbäume, besonders in den Monokulturen.

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Denkmal zu Ehren der Feuerwehrleute.

Das war schon beeindruckend, ein solchermaßen großes Waldbrandgebiet zu sehen.

In den nächsten Tagen konnte ich bei vielen Dingen mithelfen, vor allem im großen Gemüsegarten, im Bienenstock (der Bärensicher in einer unter Strom stehenden Laube untergebracht ist) oder mich mit Holzhacken beschäftigen (einer typischen Försterarbeit ;-D). Schwarzbären gibt es in der Region auch reichlich, so kam eines Abends ein Schwarzbär zum Besuch auf den Komposthaufen vorbei. Nur gut, dass man hier nichts für den Bären verwertbares auf den Komposthaufen wirft, um ihn nicht zu animieren menschliche Siedlungen aufzusuchen. Werden Bären doch auffällig und reagieren nicht auf Signale das Siedlungsgebiet zu verlassen, werden sie in diesem Fall von einem Spezialisten erlegt.

Am dritten Tag fuhren Brian und ich in den nahegelegenen Wald, wo er mir die kanadische Forstpraxis aus der Nähe zeigen wollte.

 

In den Beständen wurden klassische Kahlschläge durchgeführt, d.h. Kompletträumung des Bestandes. Interessanterweise ist Brian ein Befürworter der selektiven Baumauslese, indem nur Einzelbäume aus dem Wald entnommen werden. Er setzt sich stark für einen naturnahen Waldbau ein. Brian ist mit dieser Praxis noch ziemlich allein in Kanada und setzt dieses Konzept, was in Deutschland in der Regel angewendet wird, im Lower North Thompson Gemeinschaftswald um. Die Gemeinschaftswälder (Community Forests) in Kanada sind eine kleine Besonderheit:

Um einen Gemeinschaftswald zu gründen, bedarf es der Zustimmung des Staates, der das Recht zum Schutz oder Bewirtschaftung an eine Kommune, Interessengemeinschaft, Indianersiedlung u.a. übertragen kann. Die Gemeinschaft plant dann selbst, wie sie den Wald bewirtschaftet, aber es muss zum Wohle der lokalen Bevölkerung sein – aufbauend auf den Grundlagen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch). Es soll sozusagen zur Grundsicherung der lokalen Bevölkerung beitragen, indem z.B. neue Schulgebäude aus dem Holzverkauf finanziert werden.

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Mit Brian bei der Holzabfuhrkontrolle.

Von Susan und Brian konnte ich viel von der Pflanzen- und Tierwelt Kanadas lernen. An einem Tag ging es zu einem nahegelegenen See, wo es auch noch viele Spuren der einst hier lebenden Indianerstämme zu sehen gibt.

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Sehr alte Bestände aus Thuja-, Hemlocktanne und Douglasie.

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Brian inspiziert einen Thuja-Altbaum, der in der Vergangenheit Indianern zur Rindengewinnung diente, woraus sie Körbe, Seile, Hüte und anderes herstellten.

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Stammfäule: Durch das Rindenabziehen gelangen auch Baumschädlinge ins Innere des Baumes.

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Die Igelkraftwurz (Oplopanax horridus), ein typischer Vertreter der feuchten Wälder Nordamerikas und entlang von Gewässern. Indianerstämme nutzen diese Pflanze als schmerzstillende und entzündungslindernde Heilfplanze.

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North Barriere Lake.

Es war ein wunderschöner und lehrreicher Aufenthalt bei den beiden und ich wäre gerne noch länger geblieben!

In den nächsten Tagen werde ich aus Jasper und Banff in den Rocky Mountains berichten.

 

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