Im Osten Kanadas – in der Hauptstadt Ottawa.

Nach dem wundervollen Aufenthalt in Yellowknife sollte es nach einem kurzen Zwischenstopp in Calgary weiter zur kanadischen Hauptstadt Ottawa gehen, um die östliche Hälfte Kanadas zu erkunden. Nicht nur die Parlamentsgebäude sind hier eine Reise wert, die vielen kulturellen Möglichkeiten wie weltbekannte Museen und der Mix aus tradtioneller und moderner Architektur mit viel Grün laden zum Verweilen ein. Vom Holzfällerort, gegründet im 18. Jahrhundert, über Basisstation der Royal British Navy, hat sich Ottawa zum politischen Zentrum Kanadas entwickelt. Königin Victoria hatte Ottawa zur neuen Hauptstadt der damaligen United Province of Canada gewählt, ganz zum Entsetzen der Leute von Quebec und Toronto, deren Stadtstruktur deutlich entwickelter war. Geostrategisch war es im Nachhinein eine gute Entscheidung, da die Stadt vor dem Angriff der Amerikaner geschützt war und zu seiner unmittelbaren Nähe zum französisch-kanadischen Teil in politischen Konflikten beider Seiten vermitteln konnte.

_MG_7131-2592x3888.JPG

Das National War Memorial, unterhalb des Parliament Hill.

_MG_7128-3888x2592

„Confederation Square“ – Die kanadische Konförderation und ihre Provinzflaggen.

_MG_7137-3888x2592

Das Parlamentsgebäude mit dem 90 m hohen Peacetower an der Wellington Street.

Am ersten Tag stand zunächst das Parlamentsgebäude auf dem Programm. Hier werden stündlich Führungen in Englischer und Französischer Sprache kostenlos angeboten. Die Tickets dafür kann man sich von der Touristeninformation besorgen, die direkt gegenüber vom Parlament liegt. Nach einer straffen Sicherheitskontrolle, ähnlich der Flughafenkontrolle startet auch sogleich die Führung, die im Foyer des Parlaments beginnt.

_MG_7154-3888x2592

Die kanadische Monarchie: obwohl rechtlich eigenständig, wird Kanada als Teil des Commenwealth durch das britische Königshaus regiert.

_MG_7161-2592x3888

Der kanadische Senat. Im hinteren Bildteil nimmt das britische Königshaus Platz.

_MG_7150-3888x2592

Die Parlamentsbibliothek, wunderschön gestaltet.

_MG_7151-3888x2592

Deckenverzierung in der Bibliothek.

_MG_7167.JPG

Überblick über Gatineau und dem Ottawa River vom Peacetower.

Zum Schluss der Führung konnten wir eine Sitzung des Parlaments im „House of Commons“ (Unterkammer) auf den Besucherrängen hautnah mitverfolgen. Leider kann ich hiervon keine Bilder zeigen – alle Gegenstände muss man vorher beim Wachschutz abgeben. Das House of Commons ist dem britischen Unterhaus nachempfunden, wobei sich die Regierung und die Opposition gegenübersitzen. Die Debatte über ein sehr nachteilhaftes Bezahlsystem, was zu einer späten oder gar ausbleibender Bezahlung von Kanadiern führte, wurde teilweise sehr hitzig und emotional geführt – ganz anders als im Deutschen Bundestag.

_MG_7232-3888x2592

Parliaments Hill von der Pont du Portage Brücke aus gesehen.

 

Ottawa hat einige der besten Museen Kanadas und der Welt zu bieten, so konnte ich mir das Canadian Museum of Nature, das Canadian Museum of History, das Canadian War Museum und das Canadian Aviation and Space Museum nicht entgehen lassen:

Das Naturhistorische Museum ist großartig, hier wird die Entstehung des Lebens von Anfang an sehr anschaulich erklärt – von den marinen Cyanobakterien, die den ersten Sauerstoff in die Atmosphäre lieferten, bis zu eindrucksvollen Exponaten heutiger Großsäugerarten (ein Blauwalskelett ist hier in Lebensgröße ausgestellt!).

 

Im Geschichtsmuseum Kanadas widmet man eine ganze Etage den Ureinwohnern, mit einer riesigen Schauhalle, in denen verschiedene Baustile der Indianerstämme originalgetreu nachgebaut wurden. Leider gibt es noch immer viele Nachteile für die Ureinwohner, was im Museum teilweise angesprochen wird. Dargestellt werden z.B. auch die schrecklichen Ereignisse, in denen über 100 Jahre (bis 1998!), Kinder von Ureinwohnern in Zwangs-Umerziehungsanstalten verbracht wurden und ihnen unter miserablen Umständen bzw. Folter  ihre Kultur langsam genommen wurde. Die kanadische Regierung hat besonders unter der jetzigen Regierung versucht, diese schreckliche Geschichte aufzuarbeiten und die Wunden weitgehend zu heilen. Leider ist das Verbrechen an den Ureinwohnern nicht nur ein nordamerikanisches Problem. Eigentlich ist ein Tag in diesem Museum viel zu kurz, um die ganze kanadische Geschichte zu erleben.

 

 

_MG_7182-3888x2592

Das Canadian War Museum befindet sich westlich vom Parliament Hill unweit dem Ottawa River.

Im Kriegshistorischen Museum wird die kriegerische Vergangenheit Kanadas wiederbelebt. Sogar ein Teil der Berliner Mauer ist hier zu sehen.

 

Zu guter Letzt lohnt sich ein Besuch im Aviation and Space Museum. Nirgendwo sonst lassen sich soviele Exponate der kanadischen Luft- und Raumfahrt betrachten. Dargestellt ist hier auch der erste „Canadarm“, der Robotikarm, der es den Spaceshuttlen ermöglichte, Gegenstände im Orbit zu verfrachten und dessen Nachfolger auf der Internationalen Raumstation installiert ist.

 

 

 

Advertisements

Im hohen Norden Kanadas – über Polarlichter und Eisfischen in Yellowknife.

Vor zwei Wochen war es dann endlich soweit – es ging mit dem Flugzeug von Calgary nach Yellowknife, dem Regierungssitz der Northwestern Territories und wohl einer der besten Orte um Polarlichter zu beobachten!

_MG_6971-Edit_converted

Die Stadt des „Gelben Messers“.

_MG_6884-Edit_converted

Überblick von Yellowknife vom „Bush Pilots Monument“.

Die Stadt befindet sich am Nordufer des Großen Sklavensees, dem mit 614 m tiefsten Sees Nordamerikas. Die kanadischen Ureinwohner in der Yellowknife Region gaben der Stadt ihren Namen, aufgrund ihrer gelblich erscheinenden Kupfermesser. Erst ab 1933 wurde die Region von der kanadischen Regierung kontrolliert. Dafür wurden zahlreiche Polizeistationen der Royal Canadian Mounted Police (RCMP), der kanadischen Bundespolizei, gegründet. Im Kulturmuseum des „Prince of Wales Northern Heritage Centre“ wird dessen Geschichte eindrucksvoll dargestellt. Die im kalten Norden stationierten Polizisten bekamen Unterstützung durch erfahrene Einheimische, ohne die sie auf ihren Erkundungstouren den langen, kalten Winter mit überraschenden Schneestürmen nicht überlebt hätten.

_MG_6986-Edit

Ein nachgestellter Hundeschlitten der Royal Canadian Mounted Police.

In der Region gab es zahlreiche Goldminen, die Yellowknife immer wieder mal zu einem kleinem Goldrausch und ansteigenden Bevölkerungszahlen verhalfen. Im Jahr 1991 wurden 300 km nördlich von Yellowknife reichhaltige Diamentenvorkommen entdeckt. Die Bergminen werden im Winter über Eisstraßen versorgt. 90 Prozent des Versorgungsweges mit übergroßen LKWs führen über zugefrorene Seen.

_MG_6887-Edit

Fluglandebahn und Eisstraße auf dem Great Slave Lake.

So blieb der Bergbau bis zur heutigen Zeit ein wichtiger Arbeitgeber für die Region, was aber auch eine Reihe von Umweltproblemen mit sich brachte. Für die Identifizierung und Reinigung der wertvollen Gesteine werden zahlreiche hochgiftige Chemikalien eingesetzt, die nicht immer von der Umwelt ferngehalten werden können. Die größten Probleme bereiten Schwefelverbindungen, Schwermetalle (u.a. Arsen, Cadmium, Quecksilber) und chlorierte Kohlenwasserstoffe – Umweltverschmutzungen und eine Anreicherung in der Nahrungskette sind nur einige Beispiele.

Unsere Unterkunft befand sich direkt im indigenen Territorium, so dass der Herbergs-vater als Stammesangehöriger der Dene-Ureinwohner eine Menge zu berichten hatte. Angekommen am Flughafen wurde man stilecht vom Eisbären begrüßt. Dann ging es zunächst zur Autovermietung – Ich war schon ganz gespannt, wie sich das Autofahren im hohen Norden gestaltet mit garantiert vereisten Straßen. Salzstreuen ist bei den dortigen Minustemperaturen von nicht selten bis – 40 Grad nicht mehr möglich. So gab es zur Autostandardausrüstung zugleich die nötige Winterausrüstung mit Verlängerungskabel für die Batterie dazu. Über Nacht muss die Autobatterie hier unbedingt angeschlossen werden. Ich war froh, dass die Autovermietung das Auto schon 10 Minuten voher startete, so dass es bereits einigermaßen warm war. Draußen vor dem Flughafen-Terminal erwartete uns bereits der erste Schneesturm mit eisigen Temperaturen.

IMG_1392

Begrüßung vom Eisbär.

In den nächsten Tagen hieß es dann die Wettervorhersagen, insbesondere der Wolkendichte und der Sonnenwind-Intensität zu beobachten. Die Polarlichter sind in Yellowknife zwar regelmäßig zu beobachten, doch je besser man vorbereitet ist, desto besser werden die Chancen. Mit dem Auto ging es dann auf dem Ingraham Trail entlang zahlreicher Seen. Am ersten Tag war es leider die ganze Nacht zu bewölkt, so dass wir keine Polarlichter entdecken konnten. In den nächsten Tagen sollte das Wetter besser werden, mit nur vereinzelten Wolken im Himmel. Pünklich kurz nach Mitternacht zeigte sich dann dieses wunderschöne Naturschauspiel der tanzenden Nordlichter. Es ist kaum zu beschreiben, wie fantastisch es ist, die ständig wechselnden Farbschleier zu bestaunen.

_MG_6948-Edit_converted

Zurück an der Unterkunft, konnten wir hier sogar fast die ganze Nacht über Polarlichter beobachten! Hier scheint fast grüner Rauch aus dem Tipi hervorzusteigen.

Nach einer langen Nachtschicht und Polarlichterträumen ging es wohlgeruht am Nachmittag zum Eisfischen. Gut, dass man sich in Yellowknife ordentliche Wintersachen zum günstigen Preis von Canada Goose ausleihen kann. Diese Arktis-Expeditionssachen hielten selbst bei gefühlten -47 Grad gut warm! Die Netze zum Eisfischen wurden bereits zusammen mit William, einem verwandten vom Herbergsvater, am Vortag ausgelegt.

Der Fang hat sich für uns gelohnt und wurde zu einer wohlschmeckenden Fischsuppe und gebratenem Fisch verarbeitet.

IMG_1508

Bob bei der Fischzubereitung.

An den sehr kalten Tagen bietet das Prince of Wales Northern Heritage Museum einen interessanten Einblick in die Geschichte der Northwestern Territories Kanadas.

_MG_7004-Edit

Dieses Boot wurde von Ureinwohnern aus Holz und Elchhaut gefertigt.

_MG_6982-Edit

Traditionelle Bekleidung.

 

Im nächsten Beitrag geht es in zu einer kleinen Städtereise in den südlichen Osten Kanadas, von der Hauptstadt Ottawa bis nach Quebec an den Sankt Lorenz Strom.