Erste Wintereindrücke.

Der Winter kommt recht schnell in den Rocky Mountains, so dass wir schon Mitte Oktober kurzzeitig 15 cm Schnee bekamen. Die waren aber in den nächsten warmen Tagen rasch wieder geschmolzen. Kurzzeitig hatten wir im Oktober unter -20 Grad. Das ist mal was anderes im Herbst! Ich mag den Winter und den Schnee, doch leider war der goldene Herbst – meine liebste Jahreszeit – dann etwas zu kurz für mich. Die ersten Wintereindrücke:

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Der Tunnel Mountain (Sleeping Buffallo) im ersten Schnee.

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Der Peyto-Lake: Kristallklares Wasser vor grandioser Bergkulisse.

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Columbia Icefield nach dem ersten Schneesturm des Jahres. Das Gletschereis ist nun nicht mehr zu sehen.

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Dickhornschafe auf der Futtersuche.

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Rocky Mountain Road Trip – Teil 4

Zurück in Banff erholten wir uns erst einmal kurz von der recht langen Autoreise – in den letzten Tagen hatten wir eine gute Strecke zurückgelegt!

In der unmittelbaren Umgebung von Banff gibt es unzählige Wanderungen und Tagesausflüge. Einen Tag sollte es in die nächste Ortschaft, genauer gesagt nach Canmore gehen, wo es im Grotto Canyon bis zu 1500 Jahre alte Felszeichnungen (die Altersdatierungen variieren von Quelle zu Quelle) der Ureinwohner Kanadas zu bestaunen gibt.

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Der Wanderweg führte vom Parkplatz aus zunächst in ein trockenes Flussbett. Hier ist zur Schneeschmelze bestimmt einiges in Bewegung.

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Eingang zum Canyon.

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Eine Vielzahl von Besuchern haben „Steinmenschen“ errichtet.

Die Felszeichnungen liegen relativ am Ende des Canyon, bevor es zu einem kleinen Wasserfall geht, der in der Winterzeit ein beliebtes Ausflugsziel für Eiskletterer ist.

Erstaunlicherweise sind die Felszeichnungen (Piktographen) nicht abgesperrt und frei zugänglich! Die Malereien sind schon ziemlich ausgebleicht, bedenkt man aber den Zeitraum und die wohl vielen Berührungen der Besucher, ist der Zustand sehr gut. Die Piktographen in der Region geben den Historikern noch immer einige Rätsel. Die Figuren zeigen eine tiefe spirituelle Verbindung zur Natur im Bow Valley Gebiet, welche sich in den Tier-Mensch-Bildern widerspiegelt.

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Eine besondere Kiefernart gibt es hier auch zu sehen: Die Nevada-Kiefer (Pinus flexilis).

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Auf dem Rückweg hatten wir einen herrlichen Blick auf Canmore mit einer fantastischen Herbstfärbung.

Alberta Badlands

Am nächsten Tag ging es dann Richtung Calgary, wo wir uns eine besondere Landschaftsausprägung anschauen wollten: Die „Alberta Badlands“.  Die sogenannten Badlands entstehen, wenn leicht erodierbare Sedimentgesteine wie Schiefer, Schluff und Sandstein den Naturkräften ausgesetzt sind.

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Einfahrt in die „Badlands“.

Die Landschaft ist phänomenal, solche Strukturen hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Fast als ob man auf einem anderen Planeten gelandet ist. Großteile der Badlands in Alberta entstanden zum Ende der späten „Wisconsin“-Eiszeit vor 14.000 Jahren, als die Eisdecken rasant abschmolzen und das schlagartig verfügbare Gletscherwasser die Landschaft förmlich einschnitt. Die Resultate lassen sich an den steilen Talwänden im Red Deer-Flusstal erkennen, wo das Wasser die weichen oberen Kreidegesteine abtrug.

Eine besondere Gesteinsform sind die „Hoodoos“, die wie versteinerte Menschen mit einem überdimensionierten Kopf aussehen.

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Einige „Hoodoo“-Menschen.

Die Hoodoos werden durch besondere Erosionsprozesse hervorgerufen, wobei der obere Bereich aus schlechter erodierbarem Gestein besteht, im Gegensatz zum restlichen Körper. Dadurch wird der „Körper“ deutlich schneller zersetzt und es enstehen die Steinmenschen. Die Hoodos lassen sich vor allem in der Nähe zu Flüssen finden.

Nicht nur die außergewöhnliche Landschaft ist hier sehenswert, die Alberta Badlands sind desweiteren ein Traum für jeden Dinosaurier-Fan! Hier wurden bis heute einige der bedeutensten Fossilienfunde der Welt gemacht. So gibt es hier auch einen Dinosaurier-Trail, den man mit dem Auto abfahren kann. Führungen zu den Ausgrabungsstellen werden aber leider nur im Sommer bis zum Frühherbst angeboten, so dass wir dafür etwas zu spät vor Ort waren.

Zum Glück kann man eine Vielzahl der gefundenen Exponate im berühmten Royal-Tyrrell-Museum der Paläonthologie bestaunen.

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Endlich mal T-Rex in Lebensgröße sehen!

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Beeindruckende Exponate.

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Eine Nummer zu groß.

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Felder so weit das Auge reicht und eine schnurgerade Straße.

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Abenddämmerung auf dem Highway.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rocky Mountain Road Trip – Teil 3

Nach dem marathonähnlichen Durchqueren der gestrigen Nationalparks sollte es vor Tagesanbruch weiter nach Kamloops gehen, wo wir noch einmal Ausschau nach den wandernden Lachsen im Thompson River halten wollten. Kamloops liegt im Regenschatten der Küstengebirge. Das daraus resultierende semi-aride Klima schlägt sich auch in der Vegetation nieder, so dass hier sogar Kakteenarten gedeihen. Sommertemperaturen von über 40 Grad sind hier keine Seltenheit. In Kamloops treffen der Süd- und Nord-Thompson River aufeinander, daher der „Shuswap“-Indianername „Tk’əmlúps“ – was soviel wie das „Teffen der Wasser“ bedeutet.

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Sonnenaufgang in den „Prärien“ von Kamloops.

In Kamloops angekommen, suchten wir gleich nach einem Parkplatz, wo wir leichten Zugang zum Thompson River hatten. Da es noch ziemlich dunkel war, bemerkten wir erst gar nicht, dass wir uns auf dem Grundstück der Shuswap Indianer befanden!

Leider ließen sich auch im Thompson River keine Lachse beobachten, da muss man wirklich Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Unser Auto konnten wir dann gleich in der Shuswap-Indianer-Tankstelle steuerfrei volltanken. Nach einem schnellen Frühstück ging es weiter den Highway 5 Richtung Mount Robson Provincial Park.

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Schwertransport vor großer Walbrandfläche in unmittelbarer Nähe zum Mount Robson Provincial Park.

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Ankunft im Mount Robson Provincial Park. Mount Robson ist im Hintergrund zu sehen – der Gipfel zeigt sich eher selten ohne Wolken.

Der Mount Robson Provincial Park erstreckt sich im Osten British Columbias vom höchsten Berg der kanadischen Rocky Moutains aus, dem Mount Robson mit 3954 m. Die Erstbesteigung gelang nach einer Reihe von Fehlversuchen einer Alpinistengruppe um den Bergführer Conrad Kain im Jahr 1913. Die Besteigung, insbesondere über die Nordwestroute, bleibt bis heute äußerst anspruchsvoll. Da wir am gleichen Tag wieder Richtung Banff weiter mussten, blieb uns leider nicht sehr viel Zeit, so dass wir uns nur in der näheren Umgebung etwas umschauten.

Zurück ging es dann über die Traumstraße des Icefield Parkway Drives, wo wir einige Zwischenstopps, unter anderem am Columbia Icefield einlegten.

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Neben dem Gletscher am Columbia Icefield. Die Menge an geschmolzenem Eis ist schon erschreckend. Geht die Schmelze in dieser Rasanz weiter, wird wohl kein Gletscherfeld bis 2030/2040 mehr übrig sein!

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Und auch ein Schwarzbär ließ sich wieder blicken!!! Zur Sicherheit für uns und dem Bär aus entsprechender Entfernung aus dem Auto fotografiert.

Kurze Vorschau für den nächsten Beitrag:

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Es geht in die „Alberta Badlands“

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…ins „Dinosaurer-Museum“!

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…und bis zu 1500 Jahre alte Indianer-Felszeichnungen warten auf uns!

Rocky Mountain Road Trip – Teil 2

Anfang der Zweiten Woche sollte es Richtung Shuswap Lake in British Columbia gehen, um den Pazifik-Lachsen bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern zuzuschauen. Die Route führte uns auf den Highway 1 durch die Nationalparke Yoho, Glacier und Revelstoke, wo auf uns einige interessante Zwischenstops warteten. Früh am Morgen ging es los Richtung Brithish Columbia über den Kicking Horse Pass, der Grenze zwischen dem Yoho und Banff Nationalpark im Osten.

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Eingang zum Yoho Nationalpark.

Der Yoho Nationalpark sollte relativ schnell durchquert werden, da wir in den vorigen Tagen hier bereits am Emerald Lake und bei den Takkakaw Wasserfällen waren. Die Grenzen der Nationalparke sind in dieser Region fließend, so dass das nächste Großschutzgebiet schnell erreicht wurde.

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Wilkommen im Glacier-Nationalpark! Die Gletscher sind in der Ferne schon gut zu erkennen.

Im Glacier-Nationalpark gab es den ersten interessanten Zwischenstopp beim „Hemlock-Grove-Boardwalk“. Hier gibt es etwas ganz besonderes zu sehen: den einzigen Inland-Hemlocktannen/Thuja-Regenwald der Welt! Normalerweise ist es in dieser Region deutlich zu trocken für ein günstiges Gedeihen dieser Baumarten, die typische Vertreter der Küstenregenwälder an der Westküste sind. Möglich machen es die Columbia Mountains, die den Regen vom Pazfischen Ozean abfangen und in dieser Region einen „Nässegürtel“ bilden. Hinzukommen reichliche Wassermengen zur Schneeschmelze.

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Hemlocktannen-/Lebensbaumbestand wie an der kanadischen Westküste. Leider keine urigen Altbestände wie man es sich vorstellt, da gerade an den Hauptverkehrswegen, die Wälder stark genutzt wurden. Dennoch lassen sich hier einige bis zu 350 Jahre alte Exemplare finden.

Nach ca. einer halben Stunde Autofahrt wurde auch der nächste Nationalpark erreicht – Mount Revelstoke Nationalpark.
Hier hatten wir uns das nächste Umweltbildungsobjekt vorgenommen, wo man fast 600 Jahre alte Riesenlebensbäume bestaunen kann. Auf einem Holzbohlenpfad wird einem außerdem das Ökosystem Wald vorgestellt.

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Im Thuja-Wald.

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Ein farbenprächtiger Vogel: Der Diademhäher.

Kurz nach Revelstoke gelangten wir zum Three Valley Lake in den Monashee Bergen. Hier wurde eine „Geisterstadt“ originalgetreu nachgebaut und viele alte Häuser, u.a. Saloons, Kirchen und alle möglichen Antiquaritäten aus vergangener Zeit zusammengestellt.

 

Nach der eindrucksreichen Geschichtsstunde ging es dann weiter zum Shuswap Lake, wo wir an den Zuflüssen die Lachswanderung beobachten wollten. Leider ist das Jahr 2017 kein besonders gutes Jahr für die Lachsbeobachtung. Prognosen gehen von einer hochaktiven Wanderung aller 4 Jahre aus, wobei Millionen von Lachsen zu ihren Laichgebieten wandern. Der Adams River, ein Zufluss zum Shuswap Lake erreichte so die Rekordzahl von 3,6 Millionen Lachsen im Jahr 2002! Das nächste Großereignis steht somit erst 2018 an. Leider konnten wir ein derartiges Spektakel nicht sehen, da wir auch wohl etwas zu früh am Ort des Geschehens eintrafen und es nur sehr wenige Lachse in diesem Jahr bis zu diesem Punkt geschafft haben. Einige erfahrene Angler der Lachsschutzgesellschaft der Region sprechen gar vom schlechtesten Lachs-Jahr, was sie je erlebt haben!
In der Region kommen 4 Lachsarten vor: Chinook (Königs-), Coho (Silber-), Pink (Buckelkopf-) und Sockeye (Rot-) Lachs. Die Pazifiklachse sind dafür bekannt genau an ihren Geburtsort zurückzukehren, um zu laichen. Dabei legen sie über 1000 km zurück! Die strapazenreiche Reise bleibt nicht ohne Folgen – nach dem hoffentlich erfolgreichen Ablaichen, verenden die adulten Lachse.

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Der Shuswap-Lake bei Salmon Arm.

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Laichplätze im Roderick Haig-Brown Provincial Park.

Einige, leider schon verendete Lachse, ließen sich dann aber noch finden.

Der Shuswap See ist eine wichtige Wohnstätte der Shuswap Indianer (Secwe’pemc), die das Inland von British Columbia bereits seit tausenden von Jahren besiedeln. Die Secwe’pemc waren ein semi-nomadisches Volk, deren Nahrung hauptsächlich aus Fisch, Fleisch, Beeren und Wurzeln bestand. Jede Stammesgruppe hatte ihre eigenen Jagd- und Angelgebiete, die sie jedes Jahr zur entsprechenden Zeit aufsuchten. Im Sommer lebten sie in transportablen Holzhäusern, die im Aufbau den Tipizelten ähneln. Im Winter wurden Grubenhäuser errichtet, die halb im Untergrund verborgen sind. Noch heute leben die Nachfahren am Ufer des Shuswap Sees, wo wir in der Quaaout Lodge zum Abendessen einkehrten.

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Ein wohlverdientes Abendessen: Lachs edel zubereitet und genauso gut geschmeckt.

Im nächsten Beitrag geht es weiter über Kamloops zum Mount Robson Provincial Park.

Rocky Mountain Road Trip – Teil 1

In den letzten Wochen war sehr viel los auf der Arbeit in Banff – da bin ich froh, dass die Hauptsaison für Touristen so langsam zu Ende geht. Zum Glück hatte ich ein paar Tage mehr als sonst frei bekommen, um etwas mehr Zeit für den Familienbesuch zu haben. So kam mein Vater von Mitte September bis Anfang Oktober für 2 Wochen zu Besuch nach Banff!

Vom Flughafen Calgary wurde dann gleich der Mietwagen abgeholt, der eine Nummer größer ausfiel, als ursprünglich gebucht. Mitte September hatten wohl noch viele Urlauber überlegt, von Calgary aus mit dem Mietauto die Rocky’s zu erkunden, so dass die Autovermieter vor dem Problem von nichtverfügbaren oder noch nicht zurückgebrachten Autos standen. Eine relativ große Menschenschlange wartete so bereits eine ganze Weile auf ihre gebuchten Vierräder. Um das Problem schnell zu lösen, fragte die Vermietung, ob man auch mit anderen Autos zufrieden sein würde – in unserem Fall ein Ford Pick-up Truck. Mit diesem riesen Auto fiel man dann auch nicht sofort als Tourist in Kanada auf!

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Unser Mietauto: Perfekt für die Naturbeobachtung geeignet ;-).

Dann ging es schon los von Calgary nach Banff. Calgary ist mit knapp 1.2 Millionen Einwohnern die größte Stadt im Bundesstaat Alberta und liegt im Übergangsgebiet zu den kanadischen Prärien. Auf der Liste standen standen einige Punkte, die wir uns in den 2 Wochen anschauen wollten (u.a. Icefield Parkway, Kootenay-/Yoho-/Jasper Nationalpark, Shuswap Lake – Lachswanderung u.v.m.). Doch zunächst wurde die nähere Umgebung von Banff erkundet. Am Abend ging es zur Naturbeobachtung in die Nähe des Lake Minnewanka, wo der erste Wapiti-Hirsch ausgemacht werden konnte. Viele Wapitis (Cervus canadensis) werden deutlich größer als unsere europäischen Rothirsche, wobei der Name Wapiti übersetzt „weißes Hinterteil“ bedeutet und von den Shawnee-Indianern stammt.

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Wapiti-Hirsch vor Rocky-Mountain-Kulisse.

Am nächsten Tag sollte es Richtung Mount Bourgeau gehen, allerdings verhinderten wolkenverhangene Gipfel, Sturmböen und Schneetreiben einen angenehmen Aufstieg, so dass wir uns für den Six Glacier Walk (Sechs Gletscher Wanderweg) am Lake Louise entschieden.

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Am berühmten und vielfotografierten Lake Louise.

Hier konnten wir dann auch den ersten leichten Schneefall Mitte September erleben.

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Mit „Puderzucker“ überzogene Nadelbäume.

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Die Ausläufer des Victoria Gletscher.

Auf dem Rückweg wurde ein kurzer Zwischenstopp am Johnston Canyon eingelegt an dessen Ende zwei Wasserfälle zu bestaunen sind.

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Der untere Wasserfall

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Oberer Wasserfall.

Zwei Tage später stand das nächste Highlight am Moraine Lake an: wandern in das sogenannte Larch Valley (Lärchental) zum Sentinel Pass. Ab Anfang/Mitte September erstrahlt hier nahezu die ganze Landschaft oberhalb der 2000 m Marke in gold-gelb.

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Der Moraine Lake kurz vor Sonnenaufgang.

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Wenig später ging es los zum Lärchental.

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Meisenhäher waren auf dem ganzen Weg immer mal wieder zu sehen.

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Blick vom Sentinel Pass auf das Tal der Zehn Gipfel („Valley of the Ten Peaks“).

An diesem Tag haben wirklich alle Faktoren mitgespielt, das Wetter war optimal und zur landschaftlich goldenen Kulisse muss man nicht viel dazu sagen!

Weiter ging es zu den zweithöchsten Wasserfällen Kanadas im Yoho Nationalpark, den Takkakaw Falls mit insgesamt 384 m.

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Zu diesem Zeitpunkt wird nicht allzu viel Wasser vom Gletscher befördert. Zur Schneeschmelze zeigt sich der Wasserfall noch mehr von seiner imposanten Seite.

In der Nähe der Takkakaw falls liegt der Emerald Lake, wo wir eine Kanutour geplant hatten.

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Der Emerald Lake.

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Eine Tauchente setzt zum Start an.

Auf dem Rückweg nach Banff fuhren wir auf dem Bow Valley Parkway entlang, der parallel zum vierspurigen Haupt-Highway Richtung Lake Louise verläuft. Hier ist zwar eine konstante Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h vorgegeben, dafür hat man aber bessere Chancen auf Wildtiere zu treffen.

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Der Highway 1a (Bow Valley Parkway) bietet einige gute Stellen, Biber auf dem Bow-River zu sehen!

To be continued ;-).

 

 

Erlebnisreiche Wanderungen im Banff Nationalpark.

Banff hat eine optimale Ausgangslage zu zahlreichen Wanderwegen. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei, egal ob ambitionierter Sportler oder Gelegenheitswanderer. Zwei markante Berge prägen die unmittelbare Umgebung von Banff: Mount Rundle (2948 m) und Cascade Mountain (2998 m).

Um einen optimalen Blick auf den Cascade Mountain zu haben, wurde bei der Stadtplanung explizit darauf geachtet, dass der Fokus der ankommenden Reisenden auf der Banff Avenue genau auf diesen schönen Berg gerichtet ist. So konnte ich auch nicht lange warten, diesen Berggipfel zu erklimmen.

Cascade Mountain:

Am frühen Morgen ging es dann mit dem kostenlosen Shuttle Bus zum nahegelegenen Mount Norquay Parkplatz. Hier starten die Wanderwege Richtung Bergspitze. Zunächst führt der Pfad durch dichten Nadelwald.

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Ausgangspunkt zum Cascade Mountain.

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Mittagspause.

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Ein amerikanisches Pika oder auch Pfeifhase genannt.

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Der Weg windet sich mit allmählich steigender Hangneigung durch den Wald, bis man zum sogenannten Amphitheater gelangt.

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Das durch die Natur erschaffene Amphitheater: herrliche Strukturen im Fels.

Am Amphitheater beginnt dann der eigentliche Aufstieg zum Cascade Gipfel, wobei man teilweise auf dem Bergkamm entlangwandert. Schnee und Eis sind hier die einschränkenden Variablen, wenn man ohne Steigeisen unterwegs ist. Bis Mitte Juli kann hier mit Schnee bzw. vereisten Wegen gerechnet werden. Informationen über die Wegkonditionen kann man sich jederzeit von der Nationalparkbehörde oder der kanadischen Bergsteigervereinigung holen.

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Postkartenmotive am Aufstieg.

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Der erste Anstieg ist geschafft. Nur noch in der Ferne ist der Wald zu sehen.

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Weiter geht es über Geröllfelder. Etwas anspruchsvolleres Terrain als auf den üblichen Waldwegen.

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Der Gipfel rückt in greifbare Nähe.

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Endlich geschafft. Ein herrlicher Überblick über zahlreiche Gipfel der Rocky Mountains.

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Alles wirkt so winzig von hier oben. Auf der gegenüberliegenden Seite ragt Mount Rundle empor.

Aftonroe-Klettertour:

In den nächsten Tagen hatte ich mich dann mit Jirka zum Klettern verabredet, meinem guten Freund und Arbeitskollegen aus der schönen Tschechischen Republik. Es sollte meine erste Multipitch-Klettertour werden, d.h. eine Kletterroute mit mehreren Seillängen. Auf ging es gleich nach der Arbeit zur sogenannten Aftonroe-Route. Insgesamt galt es an diesem Tag 220 m vertikalen Fels zu bewältigen.

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Zunächst musste der Felsen noch etwas erwandert werden.

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Die erste Seillänge ist geschafft.

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Sehr guter griffiger Felsen, bei dem man optimale Haftung hat.

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Die Aussicht genießen.

 

Meine erste Multipitchbegehung war eine tolle Erfahrung für mich und mit Jirka hatte ich einen sehr routinierten Kletterer an meiner Seite. So hat er schon viele Kletterrouten weltweit absolviert.

Wandern am Lake Louise

Lake Louise ist einer der berühmtesten Seen in den Rocky Mountains und ist nach Prinzessin Louise Caroline Alberta benannt, einer Tochter von Königin Victoria. Passend zu dem königlichen Namen wird der See vom Victoria Gletscher gespeist, der vom Mount Victoria hinuntergleitet. Zu diesem Gletscher sollte es an diesem Tag gehen, zusammen mit Masahiro aus Japan und Yongsung aus Südkorea.

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Lake Louise.

Um den Gletscher zur erreichen geht es zunächst auf den „Plain of Six Glaciers“ Hiking Trail, entlang an einer einzigartigen Kulisse aus schroffen Felsen, Schnee und Eis.

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Lawinenfeld

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Wunderschöne Berglandschaften.

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Der Victoria Gletscher.

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Das Schmelzwasser bildet überall kleine Wasserfälle.

Für den Rückweg hatten wir uns entschieden, über den sogenannten Big Beehive Aussichtspunkt zum Agnes und dann weiter zum Mirror Lake zu wandern. Hier hat man einen super Überblick über die Lake Louise Region.

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Aussicht vom Big Beehive.

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Das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) bildet hier wunderschöne pinke Wiesenteppiche.

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Lake Agnes. Farbenspiel im Wasser.

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Mirror Lake.

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Andere Seite vom Lake Louise, im Hintergrund ist das Luxushotel Fairmont Chateu zu sehen.

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Der Andrang auf die kostenlosen Shuttlebusse ist groß.

Wieder einmal ein gelungener Wandertag!

 

 

Unterwegs in den Rocky Mountains im Jasper und Banff Nationalpark

Von Barriereˋ ging es kurz nach Mitternacht per Greyhound-Nachtbus in 6 h nach Jasper. Erholsamer Schlaf ist was anderes, aber abgesehen davon ist es die günstigste Methode, um ohne eigenes Auto an das gewünschte Ziel zu kommen.

Das heutige Jasper wurde im Jahr 1813 gegründet und ist aus einem ehemaligen Fellhandels-Außenposten hervorgegangen. Der Jasper Nationalpark wurde 1907 ausgerufen und ist der größte Gebirgs-Nationalpark in den kanadischen Rocky’s. Über 2 Millionen Besucher kommen jährlich in die Region, um die einzigartige Berglandschaft zu erkunden. Das merkt man auch, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Alle Parkplätze sind voll belegt mit diversen Wohnmobilen und die kleine Innenstadt erinnert an ein Bienenvolk – nur dass die Menschen nicht nach Blüten suchen, sondern ihren Shoppingdurst in den vielen Souvenierläden stillen.

Ich hatte Glück bei meiner Ankunft in Jasper, dass am gleichen Tag der „National Aboriginal Day“ war, wobei die Nationalparkbehörde und einige heimische Indianerstämme zu Feierlichkeiten eingeladen hatten.

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Schweigeminute zu Ehren der Ureinwohner.

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Mit kunterbunten Federkostümen und Trommelmusik wurden alte Indianertänze aufgeführt und an den Ständen über die Kultur und Geschichte informiert. So konnte man sich auch über Heilkräuter informieren und ich erfuhr, dass Salbei eine außerordentliche Rolle in der indianischen Heilkunde einnimmt. Mit dem Salbeirauch wird z.B. eine energetische Reinigung des Körpers durchgeführt.

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Jasper Train Station.

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Lokomotive aus vergangener Zeit.

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Jasper ist unter anderem einer der Hauptknotenpunkte für den Güterzug- und Bahnpersonenverkehr für den Ost-/Westtransit durch die Rocky Mountains. Die Züge erreichen hier Längen von über 3 km!

Um dem geschäftigen Treiben in der Stadt zu entkommmen, ist man innerhalb von kürzester Zeit in der Natur, z.B. am Athabasca River.

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Auf dem Weg zum Athabasca River kommt man auch an einigen schönen Seen vorbei. Interessanter Sidefact: Die Bergspiegelungen im Wasser animierten die kanadischen Ureinwohner zu ihren rautenförmigen Mustern.

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Am Athabasca-River.

Japser sollte nur eine Zwischenstation bleiben, so ging es bereits nach 2 Tagen weiter nach Banff über den Icefields Parkway – eine der schönsten Fernstraßen der Welt. Der berühmte Fernweg machte seinen Namen wirklich alle Ehre, durch so eine Berglandschaft zu fahren ist unbeschreiblich. Leider war ich mit dem Bus ohne Zwischenstopp unterwegs, aber hier werde ich auf jeden Fall noch einmal zurückkommen, um einige Wanderungen zu unternehmen. Einige Eindrücke:

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Columbia Icefield. Aus dem Columbia-Gletscher geht der Athabasca River hervor.

Am Abend kam ich – noch immer begeistert von den Eindrücken auf dem Icefields Parkway – in Banff an, wo ich die ersten 4 Tage im Hostel übernachtete.

Eine der besten Nebeneffekte im Hostel zu übernachten: man lernt innerhalb kürzester Zeit viele neue Leute aus aller Welt kennen. Am nächsten Tag ging es dann zugleich zu einer 10-Stunden Wanderung mit Andreas aus Österreich und Marvin, aus Deutschland zum Aylmer Pass am nahe gelegenen Lake Minnewanka. Diese Wanderroute wurde bereits durch die Parkbehörde mit einer Mindestpersonenanzahl festgelegt, aufgrund von Bärenvorfällen in der Nähe des Wanderweges. Die Mindestanzahl besteht meistens aus 4 Personen, da Untersuchungen zeigten, dass es noch nie zu Bärenvorkommnissen bei einer Gruppenstärke von 4 Personen kam. Unterschreitet man die Mindestanforderung darf man die Wanderwege unter Strafe nicht betreten. Da wir aber 3 kräftige Kerle waren, war es für die Parkranger auch kein Problem :D.

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Bärenwarnung im Grizzlygebiet.

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Entlang am türkisblauen Lake Minnewanka.

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Hoch auf den Pass über Geröllfelder und Schnee bei 30 Grad.

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Ankunft auf dem Aylmer Pass.

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Lake Minnewanka vom Aylmer Lookout.

Am nächsten Tag ging es mit Seline, Neil und Luis zum Sulphur Mountain. Hier wurde die erste heiße Quelle in Banff entdeckt, der Auslöser für Banffs Aufstieg zur Touristenmetropole in den Rocky Mountains. Zuvor hatte ich am frühen Nachmittag meinen ersten bezahlten Job ergattern können, als Housekeeper in der Buffalo Mountain Lodge. Somit werde ich noch eine Weile in Banff verweilen, um die Reisekasse wieder aufzufüllen.

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Jederzeit ist mit Wildwechseln zu rechnen ;-).

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Auf gehts zum Sulphur Mountain.

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Die bequemere Methode ist die Seilbahn, aber wandern macht natürlich mehr Spaß.

In den nächsten Tagen werde ich von meinen weiteren Wanderungen in Lake Louise und Canmore berichten.

Besuch beim Förster in Barriere´, British Columbia

Nachdem ich vier erlebnisreiche Tage in Whistler verbracht habe, ging es weiter ins Landesinnere von British Columbia nach Kamloops. In der Nähe von Kamloops erwarteten mich Susan und Brian, die mich über die WOOFing-Seite kontaktiert hatten. Nach einer 9-stündigen Busfahrt von Whistler aus, kam ich pünktlich um 1900 am Bahnhof an, wo mich Susan bereits erwartete. Susan ist gelernte Sattlerin und seit 10 Jahren in der Umweltbildung tätig mit den Schwerpunkten Waldökologie und Forstwirtschaft. Brian blickt auf eine knapp 40-jährige Försterkarriere zurück und war zunächst für die kanadische Forstbehörde tätig, bis er sein eigenes Forstplanungsunternehmen gründete. Eine weitere Stunde Autofahrt und wir waren an meinem neuen Arbeitsort mitten im Wald – inklusive einem tollen Blick auf die umliegenden Berge.

 

Rund um das Anwesen haben Susan und Brian zahlreiche Wanderwege und Cross-Country-Ski-Wege angelegt. Der Wald wurde hier vor ca. 20 Jahren mit rund 20 ha kahlgeschlagen, so dass Brian sehr darauf bedacht war, einen möglichst naturnahen Wald entstehen zu lassen, der sich in diesen Breiten vor allem aus Thuja plicata (Lebensbaum), Pseudotsuga menziesii (Douglasie, Inlandsform), Tsuga heterophylla (Westliche Hemlockstanne) zusammensetzt. Eine weitere Nadelbaumart, die man häufig in großen Anpflanzungen sieht, ist die Murray-Kiefer (Pinus contorta).  Diese Kiefernart hat hier ein großes Problem – namens Ponderosakäfer (mountain pine beetle, Dendroctonus ponderosae), der sich in den Monokulturen massenhaft vermehren konnte. Aufgrund des großflächigen Anbaus ohne Mischbestände, entstanden riesige Kalamitätsflächen, die ich bereits auf der Busfahrt beoachten konnte. Aber Schaden ist natürlich relativ und wird nur anthropogen bemessen – in der Natur gibt es keine Schäden, alles hat seinen Zweck. Auf den Flächen, die einer Streichholzlandschaft ähneln, tummelt sich bereits wieder ein gut gemischter Wald. Aber der Anbau von Monokulturen, d.h. Waldbeständen mit nur einer Baumart, hat auch andere Nachteile, die mir Brian am nächsten Tag vor Augen führte:

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Waldbrand – ein natürlicher Prozess in Kanadas Wäldern.

2003 war für British Columbia das Waldbrandjahr mit den verheerensten Bränden, die es in der Geschichte bis dato gegeben hat. Knapp 265.000 ha Wald fielen den Bränden zum Opfer, ausgelöst von einer unachtsam weggeworfenen Zigarette. Mehr als 10.000 Feuerwehrleute aus der ganzen Provinz waren im Einsatz. Die Brände konnten sich hier besonders schnell in den Kiefernreinbeständen ausbreiten, die einen optimalen Nährboden mit viel trockenem und harzreichen Brandmaterial lieferten. Da die Bestände auch entsprechend groß angelegt waren, summierte sich das Potential entsprechend.
Noch knapp 15 Jahre danach, kann man – wie auf dem obigen Foto zu sehen – immer noch große kahle Hangflächen sehen. Die Walderneuerung schreitet nur langsam voran, da durch die immense Feuersbrunst auch Feuerangepasste Baumarten dem Brand zum Opfer fielen. Dadurch fehlen die Mutterbäume, besonders in den Monokulturen.

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Denkmal zu Ehren der Feuerwehrleute.

Das war schon beeindruckend, ein solchermaßen großes Waldbrandgebiet zu sehen.

In den nächsten Tagen konnte ich bei vielen Dingen mithelfen, vor allem im großen Gemüsegarten, im Bienenstock (der Bärensicher in einer unter Strom stehenden Laube untergebracht ist) oder mich mit Holzhacken beschäftigen (einer typischen Försterarbeit ;-D). Schwarzbären gibt es in der Region auch reichlich, so kam eines Abends ein Schwarzbär zum Besuch auf den Komposthaufen vorbei. Nur gut, dass man hier nichts für den Bären verwertbares auf den Komposthaufen wirft, um ihn nicht zu animieren menschliche Siedlungen aufzusuchen. Werden Bären doch auffällig und reagieren nicht auf Signale das Siedlungsgebiet zu verlassen, werden sie in diesem Fall von einem Spezialisten erlegt.

Am dritten Tag fuhren Brian und ich in den nahegelegenen Wald, wo er mir die kanadische Forstpraxis aus der Nähe zeigen wollte.

 

In den Beständen wurden klassische Kahlschläge durchgeführt, d.h. Kompletträumung des Bestandes. Interessanterweise ist Brian ein Befürworter der selektiven Baumauslese, indem nur Einzelbäume aus dem Wald entnommen werden. Er setzt sich stark für einen naturnahen Waldbau ein. Brian ist mit dieser Praxis noch ziemlich allein in Kanada und setzt dieses Konzept, was in Deutschland in der Regel angewendet wird, im Lower North Thompson Gemeinschaftswald um. Die Gemeinschaftswälder (Community Forests) in Kanada sind eine kleine Besonderheit:

Um einen Gemeinschaftswald zu gründen, bedarf es der Zustimmung des Staates, der das Recht zum Schutz oder Bewirtschaftung an eine Kommune, Interessengemeinschaft, Indianersiedlung u.a. übertragen kann. Die Gemeinschaft plant dann selbst, wie sie den Wald bewirtschaftet, aber es muss zum Wohle der lokalen Bevölkerung sein – aufbauend auf den Grundlagen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch). Es soll sozusagen zur Grundsicherung der lokalen Bevölkerung beitragen, indem z.B. neue Schulgebäude aus dem Holzverkauf finanziert werden.

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Mit Brian bei der Holzabfuhrkontrolle.

Von Susan und Brian konnte ich viel von der Pflanzen- und Tierwelt Kanadas lernen. An einem Tag ging es zu einem nahegelegenen See, wo es auch noch viele Spuren der einst hier lebenden Indianerstämme zu sehen gibt.

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Sehr alte Bestände aus Thuja-, Hemlocktanne und Douglasie.

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Brian inspiziert einen Thuja-Altbaum, der in der Vergangenheit Indianern zur Rindengewinnung diente, woraus sie Körbe, Seile, Hüte und anderes herstellten.

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Stammfäule: Durch das Rindenabziehen gelangen auch Baumschädlinge ins Innere des Baumes.

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Die Igelkraftwurz (Oplopanax horridus), ein typischer Vertreter der feuchten Wälder Nordamerikas und entlang von Gewässern. Indianerstämme nutzen diese Pflanze als schmerzstillende und entzündungslindernde Heilfplanze.

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North Barriere Lake.

Es war ein wunderschöner und lehrreicher Aufenthalt bei den beiden und ich wäre gerne noch länger geblieben!

In den nächsten Tagen werde ich aus Jasper und Banff in den Rocky Mountains berichten.

 

Vier Tage in Whistler, Olympiastandort der Winterspiele 2010

Als Zwischenstopp in Richtung Rocky Mountains hatte ich mir das bekannte Skiresort Whistler gesetzt, dass sich an den südlichen Ausläufern des Küstengebirges befindet, ca. 2 h nördlich von Vancouver.

 

Dort hatte ich ein Zimmer im Whistler Mountain Lodge Hostel (UBC Lodge) gebucht, welche in den 60er Jahren von Studenten der University of British Columbia errichtet und lange als Studentenhaus diente, ehe es 2014 privatisiert wurde. Eines der schönsten Hostels, wo ich bis jetzt gewesen bin und sehr gemütlich eingerichtet – genau wie man sich eine Skihütte vorstellt.

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UBC-Lodge, Whistler.

Dann ging es erstmal zum Essen einkaufen nach Creekside Village, einem Vorort von Whistler. Hier fahren die Skilifte und Gondeln zum Blackcomb Mountain, einem der beliebtesten Skiabfahrtshänge. Nicht weit von den Skiliften konnte ich einen Schwarzbär mit 2 Jungen ausmachen, die es sich direkt neben dem Skilift gemütlich machten. Ich blieb auf sicherer Entfernung von ca. 200 m und wanderte langsam weiter, da man einen Bär, besonders mit Jungen nicht beunruhigen sollte. Eine Traube Menschen versammelte sich wenig später vor den Restaurants, um die Bären zu sehen.

Am ersten Tag habe ich mir ein Skilift-Ticket geholt, um auf die Spitze der zwei Berge des Whistler und Blackcomb-Mountains zu gelangen. Da noch nicht alle Gondeln in Betrieb waren, ging es nur bis zur Hälfte. Doch ich war froh, dass ich die andere Hälfte zum Little Whistler Peak auf 2115 m erwandern konnte. Es lagen noch bis zu knapp 3 m Schnee zu der Zeit, aber die Wanderwege waren halbwegs geräumt.

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Die Hälfte des Weges ist geschafft.

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Aussicht vom Little Whislter Peak.

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Die Schneewände waren teilweise über 5 m hoch.

 

Unterwegs gab es auch wieder einiges an Flora und Fauna zu bestaunen:

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Ein Murmeltier sonnt sich.

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Murmeltier hält Wache.

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Gelbes Fichten-Streifenhörnchen (Chipmunk).

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Die Felsentanne (Abies lasiocarpa) kommt in den höheren Lagen des Kaskaden-Gebirges gehäuft vor.

Mit der Peak-to-Peak-Gondel, der längsten und höchsten Seilgondel der Welt, ging es dann zum Blackcomb Mountain. Die Gondel schwebt am höchsten Punkt 436 m über dem Boden und und überspannt eine Gesamtlänge von 2024 m zwischen den 2 Türmen.

 

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Da man mit einem Gondelticket soviel fahren kann wie man möchte, fuhr ich mit der Peak-to-Peak-Gondel bestimmt 4 mal hin und her. Die Aussicht ist einfach herrlich! Abwärts ging es dann von der anderen Seite mit den Skiliften ohne Dach zurück nach Whistler. Unterwegs konnte ich wieder einen Schwarzbären beobachten.

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Schwarzbär unterhalb der Gondel.

Am nächsten Tag sollte es den ganzen Tag regnen, so dass ich eine Führung im Squamish/Lillwat Indianerkulturmuseum gebucht habe. Die Mitarbeiter sind alle Angehörige der Indianderstämme Lillwat oder Squamish (Ureinwohner der Vancouver/Whistler-Region), so dass die Teilnehmer zum Beginn der Führung mit einem Regenlied begrüßt wurden. Das Kulturmuseum soll nicht nur Besuchern die Geschichte der hier ansässigen Stämme näher bringen, sondern auch als Lernort für die Indianer dienen. Diese hatten ihr Wissen stets mündlich weitergegeben und leider gab es auch in Kanada ein Umerziehungsprogramm, sodass eine Großteil des alten Wissens verloren gegangen ist. Die Führung war sehr interessant und es wurde ein Großteil der Stammesgeschichte in der Region erklärt. Zum Schluss konnte ich die Herstellung von Garn aus Thuja-Rinde ausprobieren.

 

In den nächsten Tagen wanderte ich viel in der Region umher, unter anderem im Emerald-Forest, Lost- und Alta-Lake. Einige Eindrücke der herrlichen Wanderwege:

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Mountainbike-Strecke.

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Amerikanischer Stinktierkohl (Lysichiton americanus), eine große Sumpfstaude, die auch in Deutschland als Neophyt vorkommt.

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Kanadischer Hartriegel, Cornus canadensis.

Goodbye Pender Island!

Sonntag, der 11. Juni war der letzte Tag auf der Farm. Viel zu schnell sind die 3 Wochen auf der Farm vergangen. Dort hatte ich mich schon so sehr an die Schafe und Enten gewöhnt, dass ich bereits angefangen habe, diese vom Aussehen her mit ihrem Namen zu erkennen: Blacky, Saskatchewan, Fortyfor oder Melon sind nur einige Namen der vielen Cotswold-Schafe.

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„Blacky“, ein allseits entspannter Schafsbock.

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Eine von Saskatchewan’s niedlichen Lämmern.

Wir hatten einige Mühe, die Zäune für die Schafe rechtzeitig fertig zu stellen. So mussten wir auch einige „Nachtschichten“ einlegen, um die ausgebrochenen Schafe einzufangen, die versuchten auf die frischen Wiesen zu gelangen, wo sie noch nicht hin sollten. Aber wen kann man es verübeln, wenn man hungrig ist ;-). Da die Grillabende auf der Inish Eile Farm meist bis Mitternacht gingen, war das auch kein Problem!

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Schafe zwischen den noch nicht ganz fertigen Zaunsegmenten.

Bei den Enten hatte sich weiterer Nachwuchs eingestellt. Wir hatten zwischenzeitlich fast 60 Küken!

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Mike der „Entenflüsterer“.

Da die Enten umherziehen bzw. fliegen können, wohin sie wollen, hat auch der Weißkopfseeadler ein Auge auf sie geworfen. Mike versucht sie daher so gut es geht vor ihm zu schützen, aber rund um die Uhr können sie nicht überwacht werden. 5 Enten wurden innerhalb von einer Woche vom Adler erbeutet. Zum ersten Mal konnte ich einen Weißkopfseeadler dabei beobachten.

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Die Moschusenten finden sich häufig zu Gruppen zusammen, die gemeinsam nach Nahrung suchen.

In meiner Freizeit habe ich die Insel weiter erkundet und nahezu einmal umrundet. Die Südinsel hat es mir besonders angetan, wo es viele einsame Wälder und Strände gibt. Sogar an einem Samstag bei herrlichstem Wetter, wo eigentlich viele Leute unterwegs sein müssten, war ich der einzigste auf den Wanderwegen des Nationalparks. Dort konnte ich viele Truthahngeier auf ihren Kreiselflügen und einen Streifenkauz um das Seegebiet Greenburn beobachten.

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Der Greeburn-Lake im Nationalpark Southern Gulf Islands auf der Südinsel von Pender.

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Streifenkauz am Wanderweg.

Auf meinen „Streifzügen“ bin ich bis zum südlichsten Punkt der Insel gewandert. Hier sind es nur noch 2 km bis zur US-Grenze. Einige Eindrücke der herrlichen Strände:

Ein weiteres Highlight war die Kayaktour auf dem Pazifik.

Dort habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, um für ca. 4 Stunden die Küste der Nord-Pender-Island zu erkunden. Unterwegs trafen wir Seehunde, Robben und viele Seemöwen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Dogmermaid Eco Excursions, die mir ein Rabattangebot geschenkt haben :)!

Das Wetter lud an diesem Tag förmlich zum Baden ein und einmal muss man wenigstens im Pazifik baden gegangen sein, wenn man schon mal da ist. Lange hielt es mich aber nicht im Wasser, wirklich schweinekalt, aber Abhärtung tut gut ;).

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Badestrand mit Aussicht zum Otter Bay Hafen.

 

An einem Abend fuhr ich mit Mike dann zum Disc Golf Kurs von Pender Island in der Nähe des Magic Lake, wo man mit Frisbeescheiben Golf spielt.

Mit dem Frisbee die Ziele mit so wenig Würfen wie möglich zu treffen, ist einfacher gesagt als getan – der Spielplatz inmitten von großen Thuja-/ Hemlock- und Douglasien ist traumhaft – durch die vielen Bäume gehen viele meiner Würfe aber auch genau dorthin :D.

Abends gab es dann noch ein Abschiedsgrillen, da am nächsten Morgen in aller Frühe schon die Fähre Richtung Vancouver wartete. Dafür wurden extra Lammsteaks und Spareribs mit verschiedenen Salaten zubereitet. Ich musste zusehen, dass ich nicht ins Bett rollen musste, so lecker war das Essen.

Ich kann Martha und Mike gar nicht genug danken für die tolle Arbeit, die vielen Erlebnisse auf der Insel und interessanten Unterhaltungen über das Farmleben in Kanada, sowie aufschlussreicher sozio-ökologischer Themen. Ich habe den größten Respekt vor den beiden, die so gut wie 24/7 arbeiten und dazu hat Martha noch einen Job als Professorin. Die Farmarbeit hat es mir wirklich angetan, ein tolles Gefühl, wenn man weiß, wo sein Essen herkommt. Ich hoffe diese Art von kleinen extensiv wirtschaftenden Bauerngemeinschaften bekommt in Zukunft die Anerkennung und Förderung, die sie verdient. Das zunehmende Konglomerat von Großbetrieben hat seit langem ein Ausmaß erreicht, welche rücksichtslos die Natur ausbeutet.

Schön war es auf Pender Island, so schön, dass ich bestimmt mal wieder dorthin gehen werde!